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Ausbildungstag des Abschnittes 4 Flachgau zum Thema „Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person“
Am Samstag, dem 07. März 2026, fand in Wals-Siezenheim ein Ausbildungstag des Abschnittes 4 Flachgau zum Thema „Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person“ statt. Unter der fachlich äußerst kompetenten Schulungsleitung von DI (FH) Axel Topp von der Berufsfeuerwehr Nürnberg konnten 15 Mitglieder der Feuerwehren und Löschzüge des Abschnittes – jeweils drei Kameradinnen und Kameraden pro Feuerwehr bzw. Löschzug mit hydraulischem Rettungsgerät – mehrere realitätsnahe Unfallszenarien abarbeiten.
Die von den einzelnen Feuerwehren entsandten Teilnehmer sollen das erworbene Wissen anschließend im sogenannten „Schneeballeffekt“ in ihren eigenen Einheiten weitergeben und so zur Weiterentwicklung der technischen Einsatzkompetenz beitragen.
Der Ausbildungstag begann um 08:30 Uhr mit einem rund zweistündigen Theorieblock. Dabei wurden neue Fahrzeugtechnologien, moderne Fahrzeugkonstruktionen sowie verschiedene Einsatztaktiken und Schnitttechniken bei Verkehrsunfällen behandelt.
Bei Verkehrsunfällen mit eingeklemmten Personen zählt bekanntlich jede Minute. Das erklärte Ziel der Rettungskräfte ist es, den Patienten spätestens eine Stunde nach dem Unfallereignis im Krankenhaus zu übergeben. Dieser Zeitraum wird in der Unfallrettung als „Golden Hour of Shock“ bezeichnet. Wird dieser Zeitrahmen eingehalten, kann das Risiko schwerer gesundheitlicher Folgeschäden deutlich reduziert werden. Rechnet man vom Unfallzeitpunkt bis zum Eintreffen der ersten Einsatzkräfte mit etwa 15 bis 20 Minuten und berücksichtigt man zusätzlich die Zeit für Patientenübergabe und Transport durch den Rettungsdienst, verbleiben den Einsatzkräften der Feuerwehr oft nur rund 20 Minuten für die technische Rettung der eingeklemmten Person.
Gleichzeitig stellt die moderne Fahrzeugtechnik die Feuerwehren vor immer neue Herausforderungen. Fahrzeuge werden zunehmend stabiler, enthalten zahlreiche zusätzliche Sicherheitssysteme und werden aus neuen Materialien gefertigt. Auch alternative Antriebssysteme finden immer stärker Verbreitung. All diese Entwicklungen erfordern laufende Weiterbildung und angepasste Rettungstechniken. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, technische Rettungen nach einer klaren Struktur durchzuführen – unterstützt durch die moderne Ausrüstung der Feuerwehren.
Am Nachmittag folgte der praktische Ausbildungsteil. An vier bereitgestellten Unfallfahrzeugen wurde eine patientenorientierte technische Rettung anhand der Merkregel SEBTEFÜ trainiert:
S – Sichern
Verkehrsabsicherung herstellen, Kontakt zu weiteren Rettungsorganisationen aufnehmen, Raumordnung schaffen, Brandschutz aufbauen, Lageerkundung durchführen (alle sechs Seiten), Fahrzeug stabilisieren, Glasmanagement durchführen und Innenraum auf mögliche Gefahren wie Airbags oder andere Sicherheitseinrichtungen überprüfen. Anschließend wird ein Rettungsplan mit der geplanten Schnittreihenfolge erstellt.
E – Erstzugang
Der Notarzt entscheidet über die Dringlichkeit der Rettung. Gleichzeitig wird die Warnblinkanlage aktiviert, um die Batterie zu lokalisieren. Sicherheitsabstände zu noch nicht ausgelösten Rückhaltesystemen sind einzuhalten.
B – Batterie
Vor dem Abklemmen werden elektrische Verbraucher genutzt, die für die Rettung hilfreich sein können, etwa Sitzverstellung, Fensterheber oder Lenkradverstellung. Danach wird die Batterie gesucht und abgeklemmt. Durch das Aktivieren der Warnblinkanlage kann festgestellt werden, ob weitere Batterien vorhanden sind. Ist ein Abklemmen nicht möglich, wird keine zusätzliche Zeit verloren und die Einsatzkräfte entsprechend informiert.
T – Therapeutischer Zugang (erweiterter Zugang)
Je nach Lage werden Fahrer- oder Beifahrertür entfernt, eine totale Seitenöffnung geschaffen oder das Dach entfernt bzw. abgeklappt. Gleichzeitig wird auf Wärmeerhalt für den Patienten geachtet, beispielsweise durch Rettungsdecken oder Beleuchtung mittels Halogenstrahlern. Zusätzlich wird ein geeigneter Patientenschutz angebracht.
E – Entfernung des Daches (maximaler Zugang)
Zuerst werden die vom Patienten entfernt liegenden Säulen geschnitten. Die empfohlene Schnittreihenfolge lautet: (D) – C – B – A.
F – Fußraum- bzw. Fronterweiterung („Entklemmen“)
Mittels Rettungszylinder oder Spreizer wird der Fußraum erweitert, um eingeklemmte Extremitäten zu befreien. Je nach Unfalllage kommen unterschiedliche Methoden zur Anwendung.
Ü – Übergabe an den Rettungsdienst
Nach dem Anbringen von Kantenschutz erfolgt unter der Leitung des medizinischen Personals die achsengerechte Rettung des Patienten.
Quelle: DI (FH) Axel Topp
Diese Merkregel bildet die taktische Struktur bei Verkehrsunfällen mit eingeklemmten Personen ab. Durch ein strukturiertes, effizientes und möglichst paralleles Abarbeiten der einzelnen Maßnahmen kann der Patient innerhalb der „Goldenen Stunde“ in ein Krankenhaus transportiert werden. Regelmäßige Übungen und Schulungen bilden dafür die Grundlage.
Die praktischen Übungen wurden an präparierten Fahrzeugen in unterschiedlichen Unfalllagen durchgeführt: ein Fahrzeug in Dachlage, ein PKW in Seitenlage an einer Mauer sowie ein Auffahrunfall mit zwei beteiligten Fahrzeugen.
Um 18:00 Uhr ging dieser äußerst lehrreiche Ausbildungstag zu Ende.
Auch Abschnittsfeuerwehrkommandant BR Karl Schnöll-Reichl überzeugte sich persönlich vom Ausbildungsstand der Teilnehmer: „Auf unseren Autobahnen und Bundesstraßen kommt es immer wieder zu Verkehrsunfällen. Umso wichtiger ist eine fundierte und regelmäßige Ausbildung unserer Einsatzkräfte.“
Ein besonderer Dank gilt dem eigens aus Nürnberg angereisten Trainer Axel Topp für die fachlich hervorragende Schulung, der Freiwilligen Feuerwehr Wals-Siezenheim für die Organisation der Räumlichkeiten, Gerätebeistellung und die Bewirtung, der Gemeinde Wals-Siezenheim für die Übernahme der Entsorgung der vier Übungsfahrzeuge sowie allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern und interessierten Zuseherinnen und Zusehern, die diesen Ausbildungstag mit großem Engagement begleiteten.
Bildquelle: BR Karl Schnöll-ReichlAutor: BR Karl Schnöll-Reichl & OVI Christoph Wieland (LAWZ-Sj)
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