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Gefahrgutübung mit Gefahrgutzug

In der heutigen Zeit ist eine moderne Feuerwehr nicht nur für Brandeinsätze gerüstet, sondern auch für besondere Gefahrensituationen – etwa Unfälle mit gefährlichen Stoffen. Auf Straßen und Schienen werden täglich große Mengen an Gefahrgut transportiert. Umso wichtiger ist im Ernstfall ein schnelles und strukturiertes Vorgehen zum Schutz von Bevölkerung, Umwelt und Einsatzkräften.

Um genau diese Anforderungen zu trainieren, führten die Feuerwehren des Bezirks Flachgau kürzlich eine realitätsnahe Gefahrgutübung durch. Am Bahnhof Straßwalchen wurde mithilfe eines Übungskesselwagens der ÖBB ein Szenario mit Gefahrstoffaustritt simuliert. Diese Übungsmöglichkeit steht den Abschnitten und Feuerwehren des Bezirks Flachgau für mehrere Wochen zur Verfügung.

Die zentrale Regel bei Schadstoffeinsätzen ist die sogenannte „GAMS-Regel“:

  • Gefahr erkennen: Bereits auf der Anfahrt und spätestens beim Eintreffen an der Einsatzstelle erfolgt eine erste Einschätzung möglicher Gefahren – etwa Brandgeschehen, elektrische Gefahren, einsturzgefährdete Bauwerke, Gefahrstoffe und betroffene Personen. Der Eigenschutz der Einsatzkräfte steht dabei stets im Vordergrund.
  • Absichern/Absperren: Abhängig von der Gefahrenlage wird die Einsatzstelle abgesichert. Dabei werden eine innere und eine äußere Absperrgrenze festgelegt, zwischen denen sich der Gefahren- und Absperrbereich befinden. Die vorgeschriebenen Standardabstände sind einzuhalten und gegebenenfalls – etwa aufgrund von Witterungs- oder Geländeeinflüssen – anzupassen.
  • Menschenrettung: Sobald Eigen- und Umgebungssicherung gewährleistet sind, erfolgt die Rettung von betroffenen oder verletzten Personen aus dem Gefahren- bzw. Wirkungsbereich.
  • Spezialkräfte anfordern: Je nach Lage werden spezialisierte Kräfte hinzugezogen, etwa Gefahrgutzüge oder Werksfeuerwehren von Herstellern.

Am 21. März 2026 übte der Abschnitt 4 Flachgau gemeinsam mit dem Gefahrgutzug des Abschnitts ein entsprechendes Szenario: Beim Eintreffen erkundete der Einsatzleiter die Lage: Aus einem Eisenbahnwaggon trat Chlorwasserstoffsäure aus (UN-Nummer 1789, Gefahrennummer 80). Personen waren nicht betroffen.

Unverzüglich wurde Kontakt mit der Einsatzleitung der ÖBB aufgenommen. Die Freigabe für den Zugang zu den Gleisen erfolgte rasch, ebenso die Abschaltung und Erdung der Oberleitung.

Der Einsatzleiter ließ eine innere Absperrgrenze für alle Einsatzkräfte sowie eine äußere Absperrgrenze im Bereich der Bahnhofszufahrten für Passanten einrichten. Ein Atemschutztrupp wurde ausgerüstet und mit der Aufgabe betraut, Auffangbehälter zu positionieren, um ein weiteres Eindringen des Stoffes in den Boden zu verhindern.

Parallel dazu wurden weitere Maßnahmen gesetzt: die Alarmierung des Gefahrgutzuges, der Aufbau einer Not-Dekontaminationsstelle sowie das Ausrüsten eines Trupps in Schutzstufe 3, um das Leck abzudichten.

Der nachalarmierte Gefahrgutzug unterstützte den Einsatzleiter und errichtete eine umfassende Dekontaminationsstraße.

Der Schutzstufe-3-Trupp arbeitete nach der sogenannten „3A-Regel“, um den Kontakt mit dem austretenden Stoff möglichst gering zu halten:

  • Abstand: Direkten Kontakt vermeiden, kontaminationsfreie Wege nutzen, Abstand zum Wirkungsbereich halten und nur notwendige sowie geeignete Werkzeuge einsetzen.
  • Aufenthaltszeit: Die Einwirkdauer so kurz wie möglich halten, wenn Kontakt nicht vollständig vermeidbar ist.
  • Abschirmung: Deckung nutzen und geeignete Hilfsmittel einsetzen.

Schließlich gelang es dem Trupp, das Leck abzudichten und damit das Übungsziel zu erreichen. Nach erfolgreicher Dekontamination wurde die Übung beendet.

Im Rahmen der Nachbesprechung gab Übungsbeobachter und Gefahrgutbeauftragter des Bezirks Flachgau, OVI Christian Vitzthum, wertvolle Hinweise: „Man muss stets das große Ganze im Blick behalten – oft sind es die einfachen Maßnahmen, die einem dann den entscheidenden Zeitvorteil bringen.“

Am Abschnitt 4 Flachgau beteiligten sich die Feuerwehren Elsbethen, Grödig, Wals-Siezenheim und Großgmain. Der Löschzug Wals sowie die Feuerwehr Elsbethen stellten jeweils ein Tanklöschfahrzeug. Der Gefahrgutzug arbeitete mit den Gerätschaften des GSF Flachgau.

Bildquelle: OVI Christoph Wieland
Autor: OVI Christoph Wieland (LAWZ-Sj)

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